Prokop (Joseph Schmid)

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Paul Friedel erfaßte die Gesichte eines Hirten und Glasmachers, die er Wolfgang Johannes Bekh mitteilte. Josef Schmid (1887 – 1965), im Volksmund „Prokop“ oder „Bragawö“ genannt, war einer der letzten Waldhirten im Zwieseler Winkel.

Wolfgang Johannes Bekh – Am Vorabend der Finsternis, 1988[1]

„Ich schlafe und schlafe nicht, wenn ich in der Nacht in der Hütte liege. Aber Sachen werden mir gezeigt, zum Grausen, und ich schlafe dann nicht, weil ich draußen meine Kühe höre und den Wind und den Regen. Einmal sehe ich wie der Wind das Feuer herbringt und alle Bäume brennen wie Zündhölzer, ein andermal sehe ich, daß unten alles verkommen ist, kein Mensch ist mehr da, und kein Haus. Nur noch Mauertrümmer. Und immer wieder kommen Wolken, feuerrot, und es blitzt, aber es donnert nicht. Und einmal ist alles finster, und unten auf der Waldhausstraße geht einer mit einem brennenden Ast und schreit: ‚Bin ich wirklich noch der letzte? Bin ich wirklich noch der einzige?‘ Und dann ist wieder der Himmel gelb wie eine Zitrone und ist so tief unten. Kein Vogel singt, ich finde keine Kuh mehr und kein Wasser. Auf dem Berg ist keines mehr und unten im Regen kein Tropfen mehr. Es muß ja so kommen, weil die Leute nicht mehr glauben, ein jeder tut, als wäre er ewig auf der Welt, und jeder meint, was er wohl ist und was er noch werden könnte. Es werden noch alle zu spinnen anfangen und meinen, sie könnten von der Gescheitheit leben und nicht von der Arbeit. Die, welche Arbeiten, werden immer weniger, und die, welche von deren Arbeit leben, immer mehr. Das Regieren ist halt leichter, als die Arbeit.“

Quelle

  1. Wolfgang Johannes: Am Vorabend der Finsternis. Pfaffenhofen 1988.