Mühlhiasl

Aus Bibliothek der Weltenwende
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pfarrer Johann Landstorfer im Straubinger Tagblatt vom 28. Februar 1923[1]

„‚Eine Zeit kommt, wo die Welt abgeräumt wird und die Menschen wieder wenig werden‘
Um diesen Kern und Mittelpunkt herum gruppieren sich ganze Reihen von Schilderungen, die in scharfen, kurzen Rißlinien ein Zukunftsbild entwerfen: 1. von der vorangehenden Weiterentwicklung und Gestaltung des Volkslebens; 2. vom Einbruch und Verlauf der großen Unheils, das er das ‚Weltabräumen‘ nennt; 3. von dem daraus sich ergebenen Folgezustand, wohlgemerkt, alles, auch das Weltgeschichtliche, nur erfaßt und ausgemalt im Ausschnitt des niederbayerischen Heimatlandes. 1. Vorher: Anschaulich wird das niederbayerische Weltbild und Volksleben des bevorstehenden (nunmehr abgelaufenen) Jahrhunderts geschildert in einer Fülle von Einzellinien, die sich in folgende Gesichtspunkte einordnen lassen:

Kleidungssitten:
‚Wenn d’Bauern mit gewichsten Stiefeln in die Miststatt hineinstehen‘
‚Wenn sich d’Bauernleut g’wanden wie die Städtischen und die Städtischen wie d’Narrn (oder: „die Städtischen wie d’Affn)‘
‚Wenn erst die Rabenköpf kommen (schwarze Kopftücher)‘
‚Wenn die Mannerleut rote und weiße Hüt aufsetzen (solche Hüte waren in den siebziger Jahren Burschenmode)‘
‚Wenn die farbigen Hüt aufkommen‘
‚Wenn d’Leut rote Schuh haben‘
‚Wenn auf den Straßn Gäns daherkommen (schneeweiße Gewandung)‘
‚Nachher is nimmer weit hin‘

Lebenssitten:
‚Wenn d’Leut nichts mehr tun als fressen und saufen, schlemmen und dämmen‘
‚Wenn d’Bauernleut lauter Kuchen fressen‘
‚Wenn Bauernleut d’Hennl und Gäns selber fressen‘
‚Wenn Bauern alle Awanter (Grenzraine) umackern und alle Stauern (Hecken) aushauen‘
‚Wenn Bauern alle politasiern‘
‚Nachher is die Zeit da‘

Verkehrssitten (Auf dem Fußweg von Ober-Altaich nach Hunderdorf gibt es eine Stelle, oben auf der Höhe der Kleinlindacher Berge beim Holz-Bertl, wo man einen prächtigen Ausblick hat auf das Donautal und den Gäuboden von Plattling bis Regensburg, wo man heute so schön den Dampfschiffen zuschauen und die Schlepper zählen und das Pusten hören kann. Hier stand vor mehr als 200 Jahren der Mühlhiasl und besprach die Passauer Bahn und die zukünftige Waldbahn in Verbindung mit seinem Weltabräumen):
‚Wenn die schwarz Straß von Passau heraufgeht‘
‚Wenn die schwarz Straß (auch ‚eiserne Straß‘) über die Donau herüberkommt und ins Böhm neinlauft‘
‚Wenn der eiserne Hund in der Donau heraufbellt‘
‚Wenn d’Leut in der Luft fliegen können‘
‚Wenn d’Wägen ohne Roß und Deichsel fahrn‘
‚Wenn die meisten Leut mit zweiradeligen Karren fahrn, so schnell, daß kein Roß und kein Hund mitlaufen kann‘
‚Nachher stehts nimmer lang an‘
In Apoig, der jetzigen Station Hunderdorf, bezeichnete er auf den Meter genau den nachmalignen Lauf der ‚eisernen Straß‘ und zeigt her, wie weit sie beim Schötz (jetzt Blasini) in den Garten hineinreichen werde: ‚Bis daher und nicht weiter.‘
Bemerkenswert ist, daß die Bewohner 1893 über den Bogener Brücken- und Eisenbahnbau nicht viel Entzücken aufbringen konnten, sondern nach dem Eintreffen des ersten auch das angehängte zweite fürchteten: ‚dann stehts nimmer lang an.‘

Besiedelungswesen:
Lindach, eine stundenweit ausgedehnte Kolonie mit zerstreuten Häusern, war um 1800, wie der ganze Wald, mit riesigen, für wertlos erachteten Hölzern bestanden und schwach besiedelt.
Der ‚Hiasl‘ behauptete, die Leute und die Häuser würden zuerst recht viel werden: ‚In der Stadt werden 5- und 6-stöckige Häsuer baut, überall werden Häuser baut, Häuser werden baut, wie d’Schlösser und d’Pfarrhöf. Schulhäuser werden baut wie Paläst (mit eigener Betonung fügte er dann hinzu) für d’Soldat‘n.‘
‚In Lindach wird alles voll Häuser und Lehmhütten ang’schlötte. Aber nachher wachsen einmal Brennessel und Brombeerdörn zu‘n Fenstern außer.‘ Im Umhergehen zeigte er dann viele Orte, wo Häuser erstehen würden: ‚da wird ein Haus baut‘
Am ehemaligen Weiher zu Eglsee fischend steckte er an der Weiher-Ecke mit dem Stock ein Viereck ab: ‚kommt ein Haus her‘. (Ist heute zu sehen.) Rätselhaft ist eine Angabe: Zwischen Hunderdorf und Au zeigte er einen Platz: ‚Da wird ein Haus baut, wird aber zuvor nicht aus‘baut, wenn gleich schon lang baut ist.‘ Es steht dort ein einödiges Haus ‚Breifeld’. Lange Zeit sind die Balken für eine Altane weggestanden, was ihm ein unfertiges Aussehen gab, die sind jetzt entfernt. Dagegen soll für nächste Zeit ein Draufbau in Vorbereitung sein. Ferner ein Hinweis:
‚Wenn der Hochwald ausschaut, wie‘m Bettelmann sein Rock (könnte im Auge haben die schonungslose Abholzung, könnte aber auch hinweisen auf den ‚Hochwald“ bei Oedwies, der 1870 von einem Sturm ‚zerflankt‘ wurde)‘

Klimatische Anzeichen:
‚Wenn die kurzen Sommer kommen‘
‚Wenn man Winter und Sommer nimmer auseinanderkennt (weil der Winter so warm ist, der Sommer so kalt)‘

Religiöse Vorzeichen:
‚Zuerst kommen die vielen Jubiläen (Jubiläumsablässe; Leo XIII. Pont. Jub.; Jahrhundertwende; Konstantin; Immakulata)‘
‚Überall wird übern Glauben predigt, überall sind Missionen (namentlich seit dem kirchenrechtlich vorgeschriebenen 10jährigen Missionierungsturnus), kein Mensch kehrt sich mehr dran‘
‚d’Leut wird’n erst recht schlecht‘
‚d’Religion wird noch so klein, daß mans in ein‘ Hut hineinbringt, der Glaub‘n wird so dünn, daß man ihn mit der Geißel abhauen kann, der Glaub‘n wird so wenig, daß man ihn mit‘m Geißelschnappen vertreiben kann‘
‚Übern katholischen Glauben spotten am besten die eignen Christen‘
Vielleicht hierher gehörend: ‚Recht‘Gesetze werden gemacht, aber werden nimmer ausg’führt (= recht viele oder recht üble Gesetze)‘

Wirtschaftliches:
‚’s Gold geht zu Eisen und Stahl‘
‚Um ein Goldstück kann man noch einen Bauernhof kaufen‘
‚’s Holz wird so teuer, wie der Zucker, aber (fügte er bei Weissagungen über große Not hinzu) g’langen tuts‘
‚Einerlei Geld kommt auf‘
‚Geld wird gemacht, so viel, daß man’s gar nimmer kennen kann, (mit geheimnisvoll hämischem Lächeln betonte er) wenns gleich lauter Papierflanken sind, kriegen die Leut nicht genug dran‘
‚Auf einmal gibts keins mehr‘

Wenn also das alles sich eingestellt hat, dann nunmehr, dann kommts, nämlich:
2. Das ‚Weltabräumen‘ selber: nur rißhaft sind die Phasen angedeutet.
Vorausgesetzt ist der ‚große Krieg?‘ Der ‚große Krieg‘, ganz waldlerisch ausgesprochen war ein häufiger Wiederholungsposten in seinen Vorhersagen.
‚Nach dem Krieg meint man, Ruh ist, ist aber keine. Die hohen Herren sitzen zusammen und machen Steuern aus. Nachher stehts Volk auf.‘
‚Bal’s angeht, ist einer übern anderen‘
‚Raufen tut alles‘
‚Wer etwas hat, dem wirds genommen‘
‚In jedem Haus ist Krieg’
‚Kein Mensch kann mehr dem anderen helfen‘
‚Die reichen und noblen Leut werden umgebracht, wer feine Händ hat, wird totgeschlagen (Vorbild: Ausrottungskampf gegen geistige Arbeit in Rußland)‘
‚Der Stadtherr lauft zum Bauern aufs Feld und sagt: ‚Laß mich ackern!‘ um nicht erkannt zu werden), der Bauer erschlagt ihn mit der Pflugreutn‘

Offenbar auf das Hereinfluten roter Militärmaßen von Osten soll hindeuten:
‚Von Straubing auf den Pilmersberg (Pilgramsberg) hinein wird eine Straß baut.‘ (Die Gegend war damals so unwirtlich, daß ihm der alte Weiherbauer erklärte, wenn ich alles glaub, glaub ich nicht, daß da eine Straß baut werden kann (die jetzige Straße Straubing-Stallwang-Cham) ‚auf der Straß kommen sie einmal heraus, dieselben Roten, d’Rotjankerl‘. Wegen dieser Äußerung wurde er viel verlacht, obs etwa die rothosigen Franzosen sein sollen: ‚Nein, Franzosen sinds nicht, rote Hosen habens auch nicht, aber die Roten sinds.‘
‚Wenn’s aber einmal kommen, muß man davonlaufen, was man kann und muß sich verstecken mit drei Laib Brot. Wenn man beim Laufen einen verliert, darf man sich nicht bücken, so muß es ‚schlaun‘, wenn man den zweiten verliert, muß man ihn auch hintlassen, man kanns auch mit einem noch aushalten.‘ (Daß in kritischen Zeiten jeder Eisenbahn und Nachrichtendienst aufhören kann, hat die Rätezeit gezeigt.)
Als Versteck empfahl er je nach Gegend z. B. für Mitterfels die großen Wälder im Perlbachtal und die Senkungen bei Buchberg. Für Englmar die Käsplatte, für Bodenmais die Berkwerke, für den waldlosen Gäuboden die Weizenmandln.
Zum Schluß ist noch ein besonders unheimlicher Gast in Aussicht gestellt, nach Art des Sensenmannes, nur mit einem Originalnamen: ‚Der Bänke-Abräumer‘. Da man in den Bauernstuben reihenweise auf Bänken sitzt, zu verstehen als eine die Familienbestände dahinraffende seuchenartige Krankheit:
‚Auf d’Letzt kommt der Bänker-a-ramer.‘ Die wenigen, die übrig geblieben, werden sich schutzsuchend aus der ganzen Umgebung innerhalb der Windberger Klostermauer sammeln.
‚Wers überlebt, muß einen eisernen Kopf haben.‘

Wie siehts nun nachher aus?
3. Nachher: Eine große Verheerung.
‚Die Leute sind wenig.‘
‚Grüßen tuns wieder ‚Gelobt sei Jesus Christus‘ und einer sagt zum anderen: ‚Grüß dich Gott, Bruder, grüß dich Gott, Schwester‘‘
‚Auf d’Nacht zündet einer ein Licht, schaut, wo noch jemand eins hat‘
‚Wer eine Kronwittstaude (Wacholder) sieht, geht darauf los, ob(s) nicht ein Mensch ist‘
‚Ein Fuhrmann haut mit der Geißel auf die Erde nieder und sagt: ‚Da is die Straubinger Stadt g’standen.‘ (letztere Äußerung traf ich nur einmal an, fraglich, ob sie dem M. zuzuschreiben)
Das Bayerland im besonderen ‚wird verheert und verzehrt von seinem eignen Herrn, am längsten wirds stehn, am schlechtesten wird’s ihm gehen.‘

Viehstand:
‚Wenn man am Donaustrand und im Gäuboden eine Kuh findet, der muß man eine silberne Glocke anhängen, ein Roß, dem muß man ein goldenes Hufeisen hinaufschlagen; im Wald drin krähn noch Gickerl.‘

Wirkung des Strafgerichtes:
‚Nachher, wenn die Welt abgeräumt ist, kommt eine schöne Zeit. Große Glaubensprediger stehen auf und heilige Männer, die tun viel Wunder, die Leute glauben wieder‘
Er sprach auch davon, daß vorher die Geister, die ‚Waizn‘ verschafft werden (allgemeine Volksanschauung, bestärkt durch das Meßschlußgebet und den teufelsbeschwörenden großen Exorzismus Leos XIII.) nachher aber erscheinen wieder welche und bringen die Leute zum Glauben.

Zeitpunkt:
Welchen Zeitpunkt er für den großen Krieg in Aussicht hatte, ergibt sich ganz beiläufig aus einer unbedeutenden Begebenheit: In Großlindach redete er mit dem damaligen Bognervater vom großen Krieg. Inzwischen wuzelte und hertzte er in freundlicher Rederei das Ohr des dabeistehenden Kleinen, bis dieser den Scherz zu empfindlich fand und zu weinen anhud. Da tröstete ihn gutmütig der Mühlhiasl mit der Versicherung: ‚Du bist beim großen Krieg nimmer dabei, deine Kinder auch nicht, aber denen ihre Söhne kommen gewiß dahin.‘ Die letzten Bognersöhne waren alle beim Weltkrieg, sie sind die Enkel jenes weinenden Knäbleins.
Allgemeines vorhergehendes Merkmal: ‚Kein Mensch wills glauben.‘“

Leserzuschrift im Straubinger Tagblatt vom 9. März 1923[2]

Der anonyme Schreiber des folgenden Leserbriefes, der am 9. März 1923 als Antwort auf Pfarrer Landstorfers Artikel gedruckt wurde, behauptete:

„Der ‚Mühlhiasl‘ kam öfters zu meinen Urgroßeltern, die in Windberg ansässig waren, auf Besuch: er war im Heimgarten geladen worden und waren hiezu auch noch mehrere Nachbarn erschienen. Er war ein kränklicher Mann und liebte gerne eine warme Stube. Die Leute setzten sich dann im Kreise um ihn herum, so wollte er es nämlich haben: er selbst saß meistens nächst dem Ofen auf der Ofenbank. Da erzählte und prophezeite er von der Zukunft.“

Die im Brief mitgeteilten Aussagen weichen von Landstorfers Fassung ab:

„‚Merkt euch das und sagt es euren Kindern; denn die Kindeskinder erleben einmal die Zeit, wann die Welt abgeräumt wird. Zuvor kommen aber noch viele Anzeichen und zwar: Kreuz und quer laufen schwarze Straßen; ein Dampfroß fahrt über die Donau; die Leute fahren ohne Roß und Wagen, sie fliegen in der Luft wie die Vögel, schwimmen im Wasser wie die Fische, Schwatzen sich bei stundenweiter Entfernung in die Ohrwaschel und gwandten (kleiden) sich wie Narren. Die Landleute wie die Stadtleute tragen spitze Schuhe mit sehr hohen Absätzen; sie wissen gar nicht gescheit zu gehen mit diesen Schuhn, aber getragen werden sie doch. Bauernknechte und Handwerksburschen (sagen wir Handwerker) sitzen einmal in der Regierung drin. Der Glauben ist miserabel klein; man ruckt kaum mehr den Hut vor den geistlichen Herren, auch nicht einmal mehr, wenns im weißn Rock sind und den Leuten begegnen.
Wenn dies alles geschieht, dann kommt das Weltabräumen. Im Allerweltskrieg werden aber die Leut nicht besser, im Gegenteil noch viel schlechter. In diesem Krieg werden die Leute viel schikaniert; sie sind sogar über ihre eigene Sach‘ nicht mehr her (recte ‚Herr‘), bekommen für Geld allein nichts mehr, sondern müssen einen Ausweis in der Hand haben. Dieser Krieg dauert lange, aber über Nacht ists gar. Die Leute mögen nicht mehr und Volk wie Soldat sind eines Sinnes. Dann sitzen die Großen immer zusammen und ‚machen alleweil aus‘; aber - ausmachen können sie nichts mehr.
Dann kommt mal eine Zeit, da gibt’s recht steinreiche Leute, aber auch recht bitterarme. Auf dem Gäuboden entstehen viele schöne Häuser, weil dort einige so viel Geld haben, ganze Streukörbe voll. Sie wissen nicht, was sie mit diesem Geld anfangen sollen und bauen sich dann schöne Häuser, lauter ‚rotdachige‘. Die Armen aber sind nicht deswegen so arm, weil nichts da ist, sondern die Sache ist da; aber es geht nichts mehr auseinander, es geht nimmer richtig zu. Der große Reichtum ist kein echter, er ist aber auch nicht lange von Bestand; denn, sagte der Mühlhias, wenn einmal der ganze Gäuboden prangt vor lauter schöne weiße Häuser mit roten Dacheln, dann kommen bald die ‚Rotkapperl‘. Über den Pilgramsberg kommen sie her und auf dem flachen Land reichen sie sich die Hand. Dann gehts über den Donaustrom hinunter, es geht schnell - aber wild wird gehaust und auf dem ganzen Lande findet man kaum mehr eine Kuh oder ein Pferd.
Von den schönen Häusern werden mal die Bramdornen rauswachsen. Es müssen sich die Leute verstecken, wenn die Rotkapperl da sind; es sind keine echten Krieger. Viele Leute werden aber von ihrem Versteck herausgeholt, denn alles wird verraten. Es geht schnell, sehr schnell. Wenn’s in Straubing zum oberen Tor einziehen, wissen d’Leut beim untern Tor noch nichts! Mit 3 Laib Brot kommt ein’s aus. Die Leute werden aber so wenig, so viel sie zuvor waren und sie haben sich hernach so gerne, wie sie sich zuvor haßten. Nach dieser großen Weltabräumung gehen viele von ihrem Heim weg und siedeln sich auf schönen Plätzen an. Auch an ihren Häusern, die sie verlassen haben, werden mal die Brennessel rauswachsen.
Dies, sagte er, wird alles bestimmt kommen. ‚Lacht mich nur nicht aus! Euere Kindeskinder werden einmal nicht mehr lachen. Einige er leben dann wieder gute Zeiten. Es sind lauter solche, die da noch da sind mit eiserne Köpf! Denn viele werden durch Krankheit weggerafft!‘“

Der Briefschreiber schließt mit den Worten:

„Vieles von dem, was der ‚Mühlhias‘ in Vorstehendem prophezeite, haben meine Eltern selbst noch miterlebt.
Der sog. ‚Mühlhiasl‘ stammte von der Klostermühle zu Windberg: seine Söhne sollen ausgewandert sein. Er war dann auf einmal verschollen und man sagte, er sei bei seinen Verwandten in der Nähe von Englmar; später war er dann wieder auf der Klostermühle und soll auch dort verstorben sein. Seine Prophezeiung, er komme den Leuten als Toter noch mal aus, soll wirklich in Erfüllung gegangen sein. So fing nämlich die Totentruhe, als sie hin über den Berg hinauf brachten, zu rutschen an und rutschte den Berg hinunter bis zu einer Erlenstaude, wo sie hängen blieb; andernfalls wäre sie in den Weiher hineingeraten.
Über das Bayernlandl sagte der Mühlhiasl einmal, es werde von seinen Herren verheert und verzehrt. Am längsten halte es aus, aber am schlimmsten werde es ihm gehen.
Die Klosterherren in Windberg traf genau das Schicksal, das er ihnen vorhergesagt. Viele Leute mochten den ‚Hiasl‘ nicht gut leiden, weil er ihnen manches sagte, was sie nicht gerne hörten.
Wenn diesen seltsamen Propheten jemand fragte, warum das alles komme, so sagte er jedesmal: ‚Weil keine Liebe mehr unter den Menschen ist und eins das andre nicht mehr mag. Darum räumt unser Herrgott die Welt ab!‘“

Quellen

  1. Johann Evangelist Landstorfer. In: Straubinger Tagblatt. 28. Februar 1923.
  2. Mitteilungen aus unserem Leserkreis. In: Straubinger Tagblatt. 9. März 1923.

Literatur

  1. Traunsteiner Nachrichten, Nr. 35, 19. November 1949, S. 9.
  2. Traunsteiner Nachrichten, Nr. 38, 26. November 1949, S. 9.
  3. Adlmaier, Conrad: Blick in die Zukunft, 1. Auflage. Traunstein 1950.
  4. Adlmaier, Conrad: Blick in die Zukunft, 2. Auflage. Traunstein 1955.
  5. Adlmaier, Conrad: Blick in die Zukunft, 3. Auflage. Traunstein 1961.