Fuhrmannl (Josef Naar)

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Franz Andreß – Kulturgeschichtliche Skizzen sowie Denkmäler und Sagen aus dem Bezirke Mies, 1913[1]

Fuhrmannl als Prophet.

Nach mündlichen Überlieferungen und älteren Aufzeichnungen.

Im Dorge Hrobschschitz bei Dobrzan lebte vor mehr als 150 Jahren im Hause Nr. 15 ein Bäuerlein namens Josef Naar, vulgo Fuhrmannl genannt. Dieses war zwar nicht wohlhabend, hatte aber eine scharfe Beobachtungsgabe und einen weitschauenden Blick. […] Mit größtem Interesse lauschte man seinen Erzählungen. Schließlich verstieg sich Fuhrmannl sogar zu Prophezeiungen, welchen leichtgläubige Personen großen Wert | beilegten.
[…]
Seine Prophezeiungen über einheimische und Landesangelegenheiten beziehen sich auf nachstehende Ereignisse: Aufhebung des Chotieschauer Klosters, gute und schlechte Zeiten, Eroberungszug der Franzosen und deren Vertreibung, Fürstenbund und Völkerschlacht, Revolutionen und Kriegsjahre, Aufhebung der Leibeigenschaft und Robot, Bau von steinernen Brücken und Straßen, Bahnen und Kraftanlagen, Landes- und Staatseinrichtungen, Verhältnis Österreichs zu Preußen, Aufschwung | der Stadt Dobrzan, Nationalitätenstreit und dessen Schlichtung, Besitzstand der Geistlichkeit, Los der Israeliten, Bekämpfung der Türken und deren gänzliche Besiegung, Völkerkrieg und Weltfrieden. – Fuhrmannl sprach überhaupt sehr häufig von dem großen Weltkriege und meinte, wer diesen überlebe, der müsse einen eisernen Schädel haben. Anno ..13 stellte er als das blutigste Jahr hin und Böhmen soll der Kriegsschauplatz sein. Wer dann nicht drei Meilen von Pilsen entfernt ist, der soll auf Händen und Füßen wegkriechen, weil alles weit und breit vernichtet wird.
[…]
Auf die schlechten Zeiten wies Fuhrmannl in nachstehender Art hin:
‚Wenn der Bauer statt des Rosenkranzes ein gedrucktes Papier in der Tasche haben und am Pfluge sitzend lesen wird, dann wird Böhmen mit dem Besen ausgekehrt werden.‘“

Wolfgang Johannes Bekh – Am Vorabend der Finsternis, 1988[2]

„‚Der Bauer wird sich wie der Bürger und der Bürger wie der Adelsherr kleiden. Auch die Weiber wollen dann alle Tage anders gekleidet sein, bald kurz, bald lang; selbst in Mannskleidern werden sie gehen und verschiedene Farben haben, daß man sich wundern wird. (Die grellen Farben der Kleidung, die nach 1945 aus Amerika kamen, standen in auffallendem Gegensatz zu den bisher farblich gedeckten, meist sogar schwarzen Heimattrachten.) Die Weiber werden die Haare bald gestutzt, bald sonderbar geringelt haben, alle Jahre anders. Was sie heute anziehen, werden sie morgen wegwerfen oder alle Tage ummodeln.‘ (Die heutige Überfluß- und Wegwerfgesellschaft und die rasch wechselnde Mode sind gemeint.) ‚Sie werden ihren Körper nackt zur Schau tragen, um den Männern zu gefallen. Die allerschlimmste Zeit kommt, wenn die Frauen Schuhe tragen, unter denen man hindurchsehen kann.

Es werden so viele verschiedene Steuern aufkommen, daß die Obrigkeiten nicht mehr wissen, was für Namen sie ihnen geben sollen. Den großen Krieg werden nur wenige Menschen überleben. Die Umgebung von Pilsen wird eine große Rolle spielen. Wer nicht wenigstens zwei Meilen von diesem Ort entfernt ist, soll auf Händen und Füßen wegkriechen, weil alles weit und breit in Grund und Boden vernichtet wird.‘

Vorzeichen des großen Weltkrieges sind: ‚Wenn im (Böhmer-)Wald Schranken stehen und er mit hölzernen Schlössern gesperrt sein wird.‘ (Die Grenze zwischen Ost und West und die vielen hölzernen Wachttürme.)

‚Der christliche Glaube wird so klein werden, daß er sich unter einen Birnbaum wird stellen können, er wird aber wiederum siegen. Die Pfarrer werden zuerst den Glauben schwächen. Man wird mit dem Finger auf sie zeigen, so daß sie sich versteckt halten werden. Wo heute sieben Pfarrer sind, da wird nur mehr einer sein.‘ (Rückgang der Priesterberufe vor dem Dritten Weltkrieg.)

‚Eiserne Straßen (Eisenbahnen) werden durch den Böhmerwald und herum gebaut, und die Menschen werden auf feurigen Wägen fahren. Die letzte ‚fliegendes Straße wird durch den Kubani (Berg, 1362 m hoch) gebaut werden, dann wird der Krieg bald anheben. Der Böhmerwald wird wiederum veröden, die Dörfer werden zerstört werden, bei den Fenstern werden überall Brennesseln herauswachsen, und in den Häusern werden die Füchse und Hasen ein- und ausgehen.

Die Stadt Prag wird zerstört werden. Das ganze Böhmerland wird menschenleer sein. Da werden von weit und breit Leute kommen, um das zu sehen.‘“

Quellen

  1. Andreß, Franz: Kulturgeschichtliche Skizzen sowie Denkmäler und Sagen aus dem Bezirke Mies. Dobrzan 1913. Seiten 55-58.
  2. Bekh, Wolfgang Johannes: Am Vorabend der Finsternis. Pfaffenhofen 1988.

Sonstiges

  1. Forumsdiskussion
  2. Randomizer zu Fuhrmannl im Prophezeiungsforum am 4. November 2005
  3. Zur Quelle des Ausspruchs über das Zeitunglesen während des Pflügens