Die Mainzer Prophezeiung von 1670

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Auszug aus dem Zentralblatt für Okkultismus vom September 1915[1]

„‚Kritisch besprochen von Archivar a. D. F. W. E. Roth.
[…]
In dem Nachlaß des 1814 gestorbenen Mainzer Domkapitulars P. Schunk, wie ihn der Dekan Hertel, Stadtpfarrer zu Oppenheim, pietätvoll der Mainzer Seminarbibliothek überlieferte, fand ich etwa 1888 eine ‚Prophezey 1670‘, die im Mainzer Anzeiger vom 1. März 1915 abgedruckt ist, nachdem ich meine Abschrift Jahrzehnte lang als Merkwürdigkeit aufgehoben und nie daran dachte, solche veranlassungsweise zu veröffentlichen.

Ich bezeuge amtlich, da hier Zeit und Material der Niederschrift besprochen werden müssen, daß das Aktenstück von einer Hand des 18. Jahrhunderts auf einen Bogen graublaues Kanzleipapier dieser Zeit geschrieben ist. Es ist also eine ältere Abschrift nach Vorlage des 17. Jahrhunderts, wie die Angabe 1670 dartut. Ausdrücke wie ‚Moskowiterey, Armada, Mongoley, Polackenland, Artollerey, Naphta‘ sprechen dafür, daß die Abfassung der Zeit um 1670 angehört, wie auch die alte Schreibweise in die Abschrift überging. Der Text ist unantastbar echt. Der Verfasser war kein gewandter Literat, sondern ein gebildeter Mann, dessen Schreibweise hier und da Härten im Stil aufweist. Daß er ein Geistlicher war, ist nicht nachweisbar. Ob der Kurfürst Johann Philipp von Mainz als Empfänger des Aktenstücks ins Auge gefaßt war, eine Beeinflussung desselben durch die erwähnte Sybille von Kermel die Entstehungsursache bildete, läßt sich nicht feststellen. Ob der bekannte Reifenberger, der ja die Sibylle als Werkzeug benutzte, hier verborgen, ist schwer zu sagen. Daß der Kurfürst zeitweise an Angstgefühlen litt und diese Prophezeiung einen Druck auf denselben ausüben sollte, ist immerhin möglich. Es liegt aber auch nahe, daß ein gebildeter politischer Kopf sich ahnungsvoll über die Zukunft bis ins 20. Jahrhundert aussprach und vieles richtig voraussah. Die Angaben sind wie in allen echten Prophezeiungen ziemlich unklar und auch wieder genau zutreffend, je nach der Deutung. Die Hauptsache ist die richtige Erkenntnis des Auf- und Abgehens in der Führung mancher Völker. Der Verfasser war kein Freund der Franzosen, kein Liebhaber ihrer Sitten und ahmte solche nicht nach; er erscheint als biederer Deutscher, der fremden Einfluß verwarf. Richtig erkannte er, daß das Ansehen Ludwigs XIV. einst niedergehe und bei der Leichtblütigkeit der Franzosen der Niedergang mit einem Königsmord enden werde. Menschenkenntnis mußte dem Verfasser sagen, daß die Nachahmung französischer Laster und Gottlosigkeit, das Auftreten politischer Streber und Hofleute mit einem bösen Ende abschließe. Daß dann in Napoleon I. ein anderer Menschenkenner kam, sich einen Kreis Anhänger, auch unter deutschen Fürsten erwarb, als Stützen der Gesellschaft den Adel und Klerus bedrückte, da beide Teile nicht zu seinem System paßten, daß Polen und Rußland, die Moskowiterey, den Abschluß bildeten, konnte ein hochpolitischer Kopf annähernd ahnen. — Nur die Türken waren noch nicht zu Cöln. (Ob damit nur das Zusammenarbeiten angedeutet ist oder der Besuch einzelner türkischer Würdenträger im deutschen Hauptquartiere, muß jetzt eine offene Frage bleiben. D. Schrftltg.) Luftschiffe, Wagen ohne Pferde und Kugeln, die weiter schossen, mithin Sprengkugeln, kannte man 1670 bereits. J. J. Becher erwähnt dieser Dinge als ‚Leibnitzens Postwagen, Schiff unter Wasser, Fliegapparat‘ 1686 in seiner Schrift: ‘Närrische Weisheit‘ etc. Daß derartiges im 20. Jahrhundert ebenfalls verwendet werde, lies sich voraussehen. Wir nennen diese Sachen Tauchboot, Auto, Luftschiff und Granaten. Der Verfasser der ‘Prophezeiung‘ drückte sich zeitgemäß aus und kennzeichnet damit die Entstehungszeit. Der Verfasser schildert die Kriegsverhältnisse, wie solche stets verlaufen. Diese kritische Untersuchung sichert dem Schriftstück die Entstehung um 1670 zu.
[…]
Lesern dieser Zeitschrift sei der Abdruck der ‘Prophezeiung 1670‘, da nicht alle den ‘Mainzer Anzeiger‘ halten können, an dieser Stelle wiederholt.

‚Prophezeyung 1670
Die Gestirne künden, es wird in Frankreich ein großer Herrscher kommen, sein Landt groß und dann kleyn machen. Ruin seines Volks im Innern bey äußerm Glanz wird seyne Nachkommen treffen. Das wird die Welt teuschen und Teutschlands Adel zum Nachäffer machen. Nicht lange. Dann wird eine ruina mundi kommen, Laster und Gottlosigkeit werden mit dem Recht und Wohlstand fechten. Gewissenlose Streber werden sich zeigen. Köngsmord und Vieler Untergang wird kommen. Es wird ein großer Mann kommen, Teutschlands Fürsten gewinnen und sich geneigt machen, für ihn die alte Welt zu erobern. Adel und Geistlichkeit wird geknechtet werden. Um Polen und die Moskowiterey wird schwer gekämpft werden, aber der Nordstern der Freiheit aufgehen. Ruhe und Erschöpfung der Völker wird kommen. Ein neuer Krieg lenkt in andere Bahnen. Und der Norden wird Führer Teutschlands werden. Und wie das kommende Saeculum die großen Kriege bringen wird, so wird das künftige Saeculum einen neuen Krieg bringen. Die englische Armada wird am Streit teilnehmen. Zur Zeit der Kornblüte werden Teutschlands Feinde über dasselbe herfallen, aber in schwerem Ringen wird Teutschland sich der Gegner erwehren. Und Mongoley und Polackenland wird großes Blutvergießen sehen. Der Türck wird Teutschlands Helfer seyn und seyne Pferde im Rhein bei Cöln tränken. Den niederteutschen und burgundischen Kreys wird Teutschland wieder haben und ans Meer gelangen. Eine große Armada wird entstehen. Wunderbares wird kommen. Man wird wie die Vögel des Himmels in Lüften fliegen, mit Wagen ohne Pferde fahren, die Artollery wird Kugeln schleudern, die wieder weiter schießen. Und das unlöschbare Feuer Naphta wird Städte und Flecken zerstören. Und auch die Frauen werden am Streite teilnehmen. Der Witwen und Waisen wird eine große Menge seyn und wehe, wehe wird die Welt schreyn. Denn groß wird Hunger und Elend seyn und man um einen Laib Brot drey der besten Äcker bieten. Mißwachs und Heuschrecken werden kommen. Und Jahre wird das Elendt dauern. Und werden sterben nach der kabbalistischen Rechnung der Kreuzung des Sterns Ismael mit Josef dreimal 5,555,555 Menschen, Jung und Alt. Aber es wird Einfachheit des Lebens kommen und reiche Ernten das Gedeihen der Völker fördern. Das sagt die berühmte Hellseherin Sibylle von Kermel aus der Asche einer Wurzel einer Ceder vom Libanon und der Hand eines gefallenen Moskowiters. Fiat, fiat, fiat. Es kommt alles allweg, wie es Gott schickt. Amen.‘“

Quelle

  1. Zentralblatt für Okkultismus. Monatsschrift zur Erforschung der gesamten Geheimwissenschaften, IX. Jahrgang. September 1915, Seite 112ff.

Sonstiges

  1. Fälschungsbegründung