Caesarius von Heisterbach und Johann Vatiguerro

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Der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach wurde um 1180 vermutlich in Köln geboren und starb nach 1240 im Kloster Heisterbach bei Königswinter. Zahlreiche historische und theologische Werke stammen aus seiner Feder. Themen waren häufig Predigten über biblische Inhalte oder Homilien für seine Ordensbrüder. Caesarius ist einer der bedeutenden Vertreter der Exempelliteratur des Mittelalters. Seine Exempla dienten zum Beweis dogmatischer Glaubenssätze, zudem zeugen sie von Wundern, Visionen und Volkssagen. Ein Exemplum, welches ihm zugeschrieben wurde, enthält eine Prophezeiung für die Jahre 1774 bis 1809. Diese von Trülle 1849 zitierten Aussagen lassen sich leicht auf die angegebene Zeit beziehen. Sie sind wahrscheinlich ex eventu bearbeitet und auf Caesarius rückdatiert worden. Nach Arthur Hübscher ist der Text eine gekürzte Fassung der Prophezeiung von Johann Vatiguerro, bzw. „Bruder Johann vom gespaltenen Felsen“ oder Johannes de Rupescissa (französisch Jean de Rocquetaillade), einem spanischen Franziskanermönch, der zwischen 1348 und 1356 prophetische Schriften verfaßte, in denen er das Auftreten des Antichristen in der nächsten Zukunft erwartete. Durch das Nichteintreffen seiner Prophezeiungen in Ungnade gefallen, wurde er in den Sechziger Jahren des 14. Jahrhunderts vom Papst in Avignon eingekerkert. Er starb entweder in Haft oder wurde hingerichtet. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann die Prophezeiung nicht als authentisch betrachtet werden.

Sven Loerzer – Visionen und Prophezeiungen, 1998[1][2]

„Ich erkläre, daß nach meinen Berechnungen vom Jahre des Herrn 1774 zum Jahre 1809 viele Übel in die Welt kommen werden, die so groß und verschieden sind, daß seit dem Anfang der Welt nie eine so große Verwirrung stattgefunden hat und nie so viele. so entsetzliche und so erstaunliche Übel die Erde heimgesucht haben.
In der Tat, im Jahre des Herrn 1786 wird der Anfang aller Leiden sein, weil in diesem Jahre Sterblichkeit und Pest die Welt verwüsten und kraftlos machen werden. Ungefähr die Hälfte der Menschen wird sterben, und zwar im Zeitraume von fünfundsechzig Monaten. während welcher und noch länger die Pest dauern wird, obwohl sie während ihrer Dauer bald dies, bald jenes Land heimsuchen wird.
Ferner werden sich im Jahre des Herrn 1787 viele Vorbereitungen zum künftigen Übel zeigen; zu der Zeit werden Aufstände und furchtbare Verschwörungen ausbrechen, die aber alle noch keinen Erfolg haben werden, der sich erst später zeigen wird.
Um das Jahr des Herrn 1788 oder etwas später wird der größte und angesehenste König des Okzidents auf eine überraschende Weise in die Flucht getrieben, sein Schicksal von einer Schlacht abhängig gemacht, fast sein ganzes kostbares Heer auf unbegreifliche Weise getötet und ein kläglicher Ruin herbeigeführt. Dadurch wird der Handel zerstört werden. Eh' der Friede wieder kommt, wird derselbe Fürst infolge eines kläglichen Ereignisses von seinen Feinden gefangengenommen und mit Schmerzen erfüllt.
Der Adler wird durch die Welt fliegen und seiner Macht mehrere Nationen unterwerfen: Dies geschieht im Jahre des Henn 1801 oder etwas später; er wird mit drei Kronen zum Zeichen des Sieges und der Tapferkeit gekrönt, aber dann kehrt er in sein Nest zurück und geht nicht eher mehr daraus, als bis er sich glorreich zum Himmel erhebt. Seine Jungen werden sich gegenseitig bekriegen und einander ihre Beute entreißen; und alsdann werden im Okzident die Übel und die Schmerzen sich zu vermehren beginnen, weil im Jahre 1794 des Herrn wegen des Königs ein furchtbarer Aufstand ausbrechen wird. Der größere Teil des Okzidents wird von den Feinden fast zerstört, und viele werden rufen: Frieden, Frieden. und es wird kein Frieden sein, sondern eine solche Spaltung in der Welt wie noch nie.
Und eh' die Welt zum Jahre des Herrn 1800 gelangt, wird ein großes Reich von allen Seiten angegriffen, geplündert und fast ganz vernichtet. weil die Leiter dieses Reiches so verblendet sein werden, daß sie keinen Verteidiger finden können; und die Hand und der Zorn des Herrn wird sich grimmig gegen sie und alle Großen und Mächtigen dieses ganzen Reiches wenden.
Die mächtigsten Städte werden genommen werden, und sich gegenseitig bekämpfen. Auffallende Zeichen werden mehrmals an den Himmelskörpern geschehen, welche vorher verkündete Ereignisse bewahrheiten und neue Begebenheiten anzeigen werden. Wie durch ein Strafgericht Gottes werden sich in kürzester Zeit alle Weltverhältnisse ändern; die wutentbrannten, stolzen, listigen Untertanen werden sich gegen ihre eigenen Herrn empören. Fast alle Mächtigen und Großen werden grausam geplündert, ihres Ansehens, ihrer Macht beraubt und getötet werden. Nach seinem eigenen Gutdünken wird sich das Volk sodann einen König wählen. Man kann das Volk nimmer beschwichtigen, im Gegenteil, es wird über alle Großen der Erde herfallen und die ganze Erde plündern.
Das alles wird um das Jahr 1802 geschehen. Viele Witwen werden ihrer Kinder beraubt; ein Nachbar ist vor dem andern nicht sicher; niemand wird mehr Wort halten; einer wird den andern verraten und hintergehen. Das Gemeinwesen wird vernachlässigt, nur die Selbstsucht und der Eigennutz werden herrschen. Da wird die Rache des Herrn über alle Menschen kommen. – Die Türken und Albanesen werden christliche Inseln zerstören. Die Griechen werden in ein Reich einfallen und es zerstören; Armenien, Phrygien, Dacien, Norwegen werden von ihren Feinden grausam überwunden, geplündert und verwüstet. Mehrere Städte und Festungen am Po, an dem Tiber, dem Rhein, der Rhone und der Loire werden durch außerordentliche Überschwemmungen und Erdbeben zerstört. In Aragonien und Spanien werden große Wirrsale und Spaltungen sein, und es wird nur nach vielem Blutvergießen Friede sein.
Ehe die Welt zum Jahre des Herrn 1809 kommt, werden die allgemeine Kirche und die Welt über die Beraubung, Verheerung und Plünderung der Hauptstadt von Frankreich seufzen. Die ganze Kirche wird in der ganzen Welt grausam verfolgt und aller ihrer zeitlichen Güter beraubt; alle Kirchen werden befleckt und entweiht, und jede Religionsübung wird aufhören aus Furcht und Entsetzen vor dem schrecklichsten Grimm. Die heiligen Jungfrauen werden ihre Heiligtümer verlassen und geschändet und entehrt da- und dorthin fliehen. Die Hirten der Kirche werden vertrieben, ihrer Würden beraubt und mißhandelt; die Schafe und die Untertanen werden ohne Hirt und Haupt fliehen und zerstreut bleiben.
Das Oberhaupt der ganzen Kirche wird seinen Sitz verändern; und es wird ein Glück für ihn und diejenigen sein. welche bei ihm sind, wenn sie einen Zufluchtsort finden, wo jeder mit den Seinigen das Brot des Schmerzes im Tal der Tränen verzehren kann. Denn die ganze Bosheit der Menschen wird sich gegen die allgemeine Kirche wenden, und sie wird lange Zeit keinen Verteidiger haben, weil es keinen Papst und keinen rechtmäßigen Herrscher geben wird.
Nur die Bösen und die Rachsüchtigen werden in der Welt noch geachtet sein. Die Schmerzen, welche alle Tyrannen und treulosen Fürsten von jeher verursachten, werden von den Verfolgern der Kirche erneuert; denn die Bosheit und Gottlosigkeit der Hunnen und die grausame Unmenschlichkeit der Vandalen werden nichts sein im Vergleich mit den Trübsalen, den Krankheiten und Schmerzen, welche die heilige Kirche beugen werden. Die heiligen Tempel werden zerstört, ihre Pflaster entweiht, die Klöster beschimpft und geplündert, weil die Hand und der Zorn Gottes auf der Welt liegen werden wegen der Menge und Beständigkeit ihrer Sünden. Alle Elemente werden entfesselt und der ganze Zustand der Welt verändert. Die Erde wird an mehreren Orten vor Furcht beben und die Lebendigen verschlingen: viele Städte und Festungen werden zugrunde gehen. Die Früchte der Erde werden sich vermindern und die Wurzeln ohne Saft sein: die Saaten werden auf den Feldern verfaulen und die Keime keine Frucht bringen. Das Meer wird brüllen und sich gegen die Länder erheben und viele Schiffe und Menschen verschlingen. Die Luft wird verderbt sein wegen der Bosheit und Abscheulichkeit der Menschen. Viele und schreckliche Zeichen werden am Himmel erscheinen, die Sonne wird sich verdunkeln und sich blutrot zeigen. Zwei Monde zugleich wird man vier Stunden lang, umgeben von erstaunlichen Dingen, sehen. Mehrere Sterne werden zusammenstoßen zum Zeichen der Zerstörung fast aller Menschen. Der natürliche Zug der Luft wird wegen der Pestkrankheiten verändert und verkehrt; Menschen und Tiere werden schnell sterben; eine furchtbare Hungersnot wird die ganze Welt und besonders den Okzident heimsuchen; nie seit dem Beginn der Welt wird man dergleichen gehört haben. Die Pracht der Vornehmen wird verschwinden, die Wissenschaften und Künste sogar werden in Verfall geraten und eine Zeitlang alle Priester in der Demütigung bleiben.
Doch nach so vielen und so verschiedenen Trübsalen in der ganzen Welt werden die Geschöpfe Gottes nicht alle Hoffnung verlieren; es wird ein Papst gewählt werden aus denen, welche den Verfolgungen der Kirche entgehen; der Wille Gottes wird ihn ernennen, und die heiligen Engel werden diesen frommen und vollkommenen Mann krönen, und seine Brüder, welche die Verfolgungen der Kirche und die Verbannung überlebt haben, ihn auf den heiligen Stuhl setzen.
Dieser wird die ganze Welt durch die Heiligkeit neu gestalten und alle Geistlichen zur wahren Lebensweise der Jünger Christi zurückführen, und alle werden sie wegen ihrer Heiligkeit und Tugend achten. Er wird predigen barfuß und keine Macht der Fürsten fürchten; er wird fast alle Ungläubigen bekehren; und es wird nur ein Gesetz, einen Glauben, eine Taufe, ein Leben geben. Alle Menschen werden einander lieben, und der Frieden wird lange Jahre dauern.“

Quellen

  1. Loerzer, Sven: Visionen und Prophezeiungen. Augsburg 1998.
  2. Trülle, Johann Nepumuk: Das Buch der Wahr- und Weissagungen. Regensburg 1849.

Sonstiges

  1. Caesarius von Heisterbach: Liber mirabilis, fol. 15-24. (Laut Trülle die Quelle der Prophezeiung. Tatsächlich ist dieses Buch in keiner Bibliographie des Caesarius nachweisbar. Diese Quellenangabe dürfte auf das Mirabilis Liber von 1522 zurückgehen, in dem zwar Johann Vatiguerro, aber nicht Caesarius zitiert wird.)
  2. Maternus Hatten aus Speyr: Titel unbekannt. Leipzig 1498. (Hierin wird Johann Vatiguerro zitiert.)