Blinder Jüngling (Fälschung)

Aus Bibliothek der Weltenwende
Wechseln zu: Navigation, Suche

Max Erbstein – Der blinde Jüngling, 1956[1]

„1. Eine und noch eine und eine halbe Zeit werden über Böhmen fremde Herrscher sein.
2. In einer Zeit, da einer länger denn 60 Jahre Herr über Böhmen war, wird durch einen Fürstenmord ein großer Krieg entstehen.
3. Dann werden die gekrönten Häupter wie reife Äpfel von den Bäumen fallen.
4. Der böhmische Löwe wird nicht mehr untertan sein, sondern selber herrschen.
5. Zwei Völker werden in Böhmen leben.
6. Das Herrschervolk wird dem anderen nach dem Leben trachten und ihm keine Freiheit gönnen.
7. Bis ein Mächtiger kommt.
8. Dann werden die Herren von Prag dem zweiten Volke die Freiheit aus dem Fenster zuwerfen, aber zu spät.
9. Es kommt abermals ein großer Krieg zwischen allen Völkern der Erde.
10. Deutschland wird ein großer Trümmerhaufen und nur die Gebiete der blauen Steine werden verschont bleiben.
11. Der große Krieg wird zu Ende gehen, wenn die Kirschen blühen.
12. Solange die Kirschen reifen, möchte ich kein Deutscher sein.
13. Wenn aber die Kirschen geerntet sind, dann möchte ich kein Tscheche rein.
14. Zweimal wird das Böhmerland gesiebt werden: das erste Mal bleiben nur soviel Deutsche, wie unter einer Eiche Platz haben.
15. Wieder wird der tschechische Löwe über Böhmen herrschen, aber sein Glanz ist zu Ende.
16. In Böhmen wird nur noch ein Volk leben.
17. Ein neuer Krieg wird ausbrechen, dieser wird der kürzeste sein.
18. Das Volk in Böhmen wird durch diesen Krieg vernichtet und alles im Lande wird verschüttet werden.
19. Zweimal wird das Böhmerland gesiebt werden: das zweite Mal werden nur soviel Tschechen übrig bleiben, die auf einer Hand Platz haben.
20. Aber er wird nicht eher Friede in Europa, ehe nicht Prag ein Trümmerhaufen ist.
21. Abermals zur Kirschenblüte wird Prag vernichtet werden.
22. Eine Sonne wird stürzen und die Erde beben…
23. Die Rache kommt übers große Wasser.
24. Wenn zum zweiten Male die Kirschen reifen, werden die Vertriebenen aus Böhmen traurig wieder zu ihren Herrn, ihren Webstühlen und Feldern zurückkehren.
25. Aber nur wenige werden es noch sein.
26. Und diese Wenigen werden einander fragen: Wo hast Du gesteckt und wo Du?
27. Die Bauern werden hinter dem Pflug mit der Peitsche knallen und sagen: hier hat Prag gestanden.
28. Über die Welt wird ein neues Zeitalter kommen, das man das goldene nennen wird.“

Angebliche Abschrift durch Paul Friedl einer verschollenen Druckschrift aus dem 19. Jahrhundert[2]

„Kaiser Karl III.
[Ein kurzer Satz unleserlich; AG ]
[Fehlende TextsteIle? AG] aber die einen werden fressen und die anderen werden hungern. Böhmen wird die Herrscher wechseln wie der feine Herr das Hemd. Wird eine oder zwei lange Zeiten dauern. Die Menschen werden einander nicht mehr mögen. O ihr Kaiser, Könige und Fürsten, O ihr armen Leute im Lande, es wird eine Zeit kommen, da werdet ihr wünschen, nicht geboren zu sein. Soviel Leut wird es geben, daß kein Brot mehr für sie da ist. Wenn einer sagt, ruck ein wenig, und der andre tut es nicht, ist es sein Tod.
Ein Fürstentod bringt großen Krieg. Wird noch ein Krieg kommen und alles anders werden. Dann fallen die Kronen. Wenn im großen Krieg einer gegen den andern ist, dann kommt die Zeit, wo der Schrecken unser Land nicht mehr verlassen wird. Dann sind die Burgen verödet, und die hohen Herren greifen zum Pflug. Von da an wird es nicht mehr sein dürfen, daß sich die Leute auf der Welt verstehen. Sie werden keine Ruhe geben, bis der böhm. Löwe wieder selber herrscht und nimmer untertan ist.
Zwischen Böhm. Bergen wird ein Volk dem andern nach dem Leben trachten. Dann aber kommt einer, der wird die Geißel schwingen über Prag. Es wird nicht der letzte Krieg sein, aber er wird amfangen die leztn Zeiten. Um Böhmen herum wird ein großer Trümmerhaufen sein, und es wird Feuer hageln. Wenn die Kirschen blühen, wird alles vorbei sein.
In Böhmen aber wird der heimliche Brand nicht ausgehen. Man wird treiben und treiben. Die eine andere Sprach reden werden das Land verlassen. Und immer wieder wird Blut fließen unter den Brüdern. Die Menschen werden die Welt vernichten, und die Welt wird die Menschen vernichten. Ein kurzer Krieg. Über das große Wasser wird der Krieg kommen, und die eisernen Roße werden Böhmens Erde zerstampfen. Und das Land der Bayern hat viel zu leiden. Aber bald wird man Gott loben, daß es nicht schlimmer ist. Aber sie werden Gottes Schöpfung nachmachen wollen, und Gott wird sie verlassen. Dann kommt es. Es dauert nicht länger, als man braucht Amen zu sagen. Die wilde Jagd braust über die Erde. Die Totenvögel schreien am Himmel. O ihr Mächtigen und Gewaltigen, ihr werdet kleiner sein als der arme Hirt, wenn es kommt. Es wird lange dauern und noch viel Wasser über die Moldau hinab rinnen. Von uns wird niemand mehr etwas wissen, nur der Hirt wird seinen Stecken in den Boden stoßen und sagen [fehlende Textstelle? AG]. Wenn es aber kommt, wird es einfahren wie ein Blitz in den Ameisenhaufen, und auch der Hirt wird nicht verschont. (Anmkg. P. Friedls: ‚Tschechischer Nachsatz?’)“

Quellen

  1. Erbstein, Max: Der blinde Jüngling. Köln 1956.
  2. Gann, Alexander: Zukunft des Abendlandes. 1986.

Sonstiges

  1. Dem blinden Jüngling im Jahre 1645 zugeschriebene Volkssagen