Böhmische Flüchtlingsfrau

Aus Bibliothek der Weltenwende
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wolfgang Johannes Bekh – Am Vorabend der Finsternis, 1988[1]

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Deutschland keinen Soldaten mehr haben, und es wird kein richtiger Friede mehr sein.
Man wird die Mädchen nicht mehr von den Knaben unterscheiden können und die Sommer nicht mehr von den Wintern. Die Mädchen werden grüne Schuhe tragen. Bergwerksunglücke und Naturkatastrophen werden die Welt erschüttern, und einer Familie wird großes Unheil widerfahren. – Im Nahen Osten wird es beginnen. – Unbekannte Krankheiten werden kommen. Ein kleines Volk wird großes Unrecht tun, und ein berühmter Staatsmann wird ermordet werden. Ein großer Mann wird sich in Europa erheben, und Deutschland wird von einem Stiernacken regiert werden.
Es wird eine Konferenz geben zwischen vier Türmen, dann ist es bereits zu spät. Die Russen werden durch die Gasthausfenster der Deutschen schauen, wenn diese noch still bei ihrem Bier sitzen. Sie werden jenseits der Ruhr bis zum Rhein vorgehen. Dann wird eine Linie gelegt werden, zwischen einer steinernen Stadt (mein Vater sprach aber auch da schon immer von Prag) und der Ostsee, wo keiner mehr herüber und hinüber kann. Es wird ein Getöse und Gedröhne in den Lüften sein, gelbe Schwaden werden die Welt einhüllen. England wird wie eine Nußschale im Meer tanzen, und ein Land wird ganz vom Erdboden verschwinden. Selig die Bergbewohner. Man wird unter grünen Blättern sicherer sein als unter Stein und Eisen.
Die bärtigen Männer des Ostens werden niedergemacht bis auf den letzten Mann, und ihr Blut wird die Flüsse rot färben.
Nach diesem Kampf wird in jedem Land eine Revolution entstehen, nur in Deutschland nicht. In Deutschland werden die Menschen zu Tausenden verhungert auf den Straßen liegen, und ein Bruder wird den anderen wegen einer Brotkruste erschlagen.
Dann wird in Spanien eine Armee aufstehen. Sie wird Armee Mariens genannt werden und anschwellen wie ein Orkan und die Revolutionen niederschlagen.
Das alles wird ein halbes Jahr dauern, und die Sieger werden blühende Kirschzweige an ihren Hüten tragen (oder: werden zurückkehren, wenn die Kirschbäume blühen).
Wer noch eine Kuh hat, soll sie an eine goldene Kette legen, und Buchenholz wird so teuer werden wie Zucker.
Deutschland wird sich am ehesten aus den Kriegswirren erheben und einen neuen Kaiser aus dem Geschlechte Habsburgs im Kölner Dom krönen.
Dann wird die glücklichste Zeit kommen, die je auf Erden gewesen ist! (Von den drei dunklen Tagen sprach mein Vater immer so, als sollten sie vor dem Krieg kommen, und als sollten nur geweihte Kerzen vor den Fenstern brennen.)
(Namentlich gezeichnete Mitteilung)“

Quelle

  1. Bekh, Wolfgang Johannes: Am Vorabend der Finsternis. Pfaffenhofen 1988.

Sonstiges

  1. Beitrag von Taurec im Zukunftsforum III am 21. Oktober 2008
  2. Liste von Plagiaten
  3. Zur Konferenz zwischen vier Türmen