Antonius von Aachen

Aus Bibliothek der Weltenwende
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Abbé Curicque – Voix Prophétiques, 1872[1]

„Der Krieg wird einmal im Elsaß von neuem ausbrechen. Ich sah die Franzosen im Besitz des Elsaß; sie hatten Straßburg im Rücken. Ich sah auch Italiener bereit, an ihrer Seite zu kämpfen. Die Franzosen wollten die Preußen angreifen, die jedoch zögerten. Plötzlich kamen von der französischen Seite aus Metz und Nancy große Truppentransporte. Die Franzosen werfen sich als erste nach vorn, worauf eine Schlacht begann, die zwei Tage dauerte und mit der Niederlage des preußischen Heeres endete.
Unterhalb und oberhalb Straßburgs wandten sich die Franzosen sogleich über den Rhein, und begannen, die Preußen in alle Richtungen zu verfolgen. In einer weiteren großen Schlacht bei Frankfurt wurden die Preußen abermals geschlagen, gefolgt von mehreren kleineren und weniger bedeutenden Gefechten als jene von Straßburg und Frankfurt.
Sie zogen sich bis Siegburg zurück, wo bereits die russische Armee Aufstellung bezogen hatte. Ich meine, diese wäre den Preußen feindlich gesonnen. Bei deren Ankunft vereinigten sie sich aber gegen die Franzosen. Die Russen machten gemeinsame Sache mit den Preußen. Mir schien es, daß die Österreicher den Franzosen halfen. Die Schlacht bei Siegburg war etwas noch nie Dagewesenes an Schrecklichkeit. Ähnliches wird nie mehr geschehen. Sie dauerte mehrere Tage, dann zogen sich die Preußen und Russen auf dem Rückzuge kämpfend bis auf anderthalb Meilen unterhalb Bonns zurück, wo sie auf das linke Rheinufer übersetzten.
Die Franzosen trieben sie vor sich her und verfolgten sie bis zur Festung Köln. Sogleich begann die Beschießung der Stadt durch die Belagerer. Sie wurde zu rund drei Vierteln zerstört, die Nordecke blieb stehen. Ich sah die Preußen mit den letzten Resten ihrer Armee in dieser Gegend fluchtartig die Stadt nach dem rechten Rheinufer verlassen, um in Westfalen Zuflucht zu finden, immer verfolgt von den Franzosen.
Ich bemerkte zur selben Zeit, wie viele Menschen sehr froh waren, in die Hände klatschten und riefen: ‚Was für ein Glück, die Preußen los zu sein!‘ Ihre Gesichter strahlten vor Freude. Die letzte Schlacht wurde in Westfalen geschlagen. Am Ende der Kämpfe sah man kaum mehr als zwei dürftige Linien der preußischen Armee, die dem Blutbade entkommen waren. Das Gewehr umgehängt und außer Atem flüchteten sie.
Dann hörte ich, daß man einen neuen deutschen Kaiser gewählt hatte. Ich vermag nicht zu sagen, um wen es sich dabei handelt. Er schien mir, ungefähr vierzig Jahre alt zu sein. Als Folge all dieser Umbrüche gab es so etwas wie ein Zusammentreffen des neuen Kaisers und des Heiligen Vaters. Papst Pius IX. wird nach diesem letzten Kriege nicht mehr lange leben; jedoch wird er alle diese Ereignisse überstehen.
Während der Endschlacht in Westfalen richtete sich meine Aufmerksamkeit auf Köln und alle Länder, die der Krieg heimgesucht hatte. Dort wütete eine schreckliche Krankheit, der jene zum Opfer fielen, die das feindliche Schwert verschont hatte.
Nach der Endschlacht kehrten die Franzosen friedlich in ihr Land zurück. Fortan sind Einigkeit und Frieden zwischen diesen beiden Nationen fest gebaut. Überall blüht das Leben wieder auf. Viele Klöster aller Arten werden neu gegründet. Alle Flüchtlinge kehren in ihre Heimatländer zurück.
Im darauffolgenden Jahre wird ein russisch-türkischer Krieg sein. Die Russen werden die Türken aus Europa vertreiben und Konstantinopel in Besitz nehmen. Zu Beginn dieses Krieges wird der neue deutsche Kaiser seine Armee mobilisieren und sich an die Grenze begeben. Bei dieser Nachricht fürchtete ich, die Deutschen könnten in diese Auseinadersetzung verwickelt werden, aber letztlich sah ich nicht, daß sie die Grenzen überschritten.
Als mir hierauf Frankreich und dann Deutschland gezeigt wurden, schauderte ich darüber, wie wenig bevölkert beide Länder waren. Bald nach dem russisch-türkischen Krieg wird auch England durch Kriege heimgesucht werden.“

Quelle

  1. Curicque: Voix Prophétiques, Band 2. Paris 1872, S. 519-526.