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Mitteilung einer Schau

Gerhard @, Donnerstag, 17. November 2011, 23:37 (vor 2045 Tagen) @ Jayef

Vorgeschichte

Eine Stuttgarter Lehrerin, Jg. 1953, hat gelegentlich „Wahrträume“. Einer der ersten kam zu ihr im Jahr 1981, als sie das Referendariat begann und einige Zeit sehr unsicher war, ob sie in den Staatsdienst übernommen würde: im Traum „sah“ sie nun, wie ihr die Ernennungsurkunde überreicht wurde in einer Schule, die ihr zuvor unbekannt war. Auch weitere Details zum Lehrerkollegium an dieser Schule stimmten mit späteren Entwicklungen überein. Sie hatte schon früher begonnen, ihre Träume aufzuschreiben, hat sich auch mit Traumliteratur (C.G. Jung) beschäftigt und war bzw. ist erfahren und reflektiert im Umgang mit Träumen.

In den Jahren 1982-87 hatte sie dann eine Serie von etwa einem halben Dutzend sehr bewegender Träume, die thematisch zusammenhängend waren und offenbar ausgelöst wurden von einer Serie in der Zeitschrift „esotera“ über Prophezeiungen zu unserer Zukunft. Die Träume unterschieden sich von normalen Träumen durch ihre Schärfe und Klarheit, außerdem waren die Szenen, die sie sah, sehr belastend. Sie hat die nachfolgenden Jahre unter diesen Träumen regelrecht gelitten, auch psychologischen Rat deswegen aufgesucht. Erst heute kann sie einigermaßen frei und ohne zu weinen diese Träume erzählen.

1.

Im Eröffnungstraum der Serie sah sie sich in ihrer Schule. Der Unterrichtsbetrieb allerdings war eingestellt, die Gebäude waren überfüllt mit Flüchtlingen, sowohl die Klassenräume wie auch die Turnhalle. Es war in der kälteren Jahreszeit, es herrschte Not an Kleidung und Hygiene. Auf dem Schulhof war ein Feuer, in einem großen Kessel wurde Suppe aufgewärmt (ein Kessel, wie sie ihn von ihrer Pfadfinderzeit her kennt). Sie half beim Austeilen und achtete darauf, dass jeder nur knapp bedient wurde, damit es für alle reiche.

Es herrschte zu dem Zeitpunkt kein Kriegszustand (>>stilles Wissen in der Schau), aber der allgemeine Notstand war erklärt worden und deutsches Militär war eingesetzt (Transporte, Ordnung, Versorgung). Die Lebensmittelverteilung wurde offenbar auch von kirchlichen Stellen mitorganisiert, die Stadt Stuttgart hatte die Schulgebäude zur Verfügung gestellt – insgesamt eine überdeutliche Notsituation, in der sie selbst sich als „Staatsdienerin zwischen Kirche und Verwaltung“ empfand und für die Bewältigung der außergewöhnlichen Situation an der Schule mit verantwortlich war.

2.

Auch die anderen Bilderfolgen spielen sämtlich in Stuttgart und im Remstal: sie sah Flüchtlingstrecks, teils zu Fuß, teils auf Lastwagen, wiederum in der kalten Jahreszeit. Sie kamen aus dem Osten (>>stilles Wissen in der Schau). Ferner wurden ihr einzelne Blicke in diverse Stuttgarter Straßen gezeigt, wo sie viele beschädigte Häuser sah, die aber noch bewohnt wurden. Einzelne Häuser waren stärker beschädigt, lagen aber nicht in Trümmern. Die Ursache der Beschädigungen war nicht klar, es herrschte kein Krieg (>>stilles Wissen in der Schau) bzw. es war nicht die Rede von aktuell stattfindenden Kampfhandlungen. Bei den Straßen, die sie von Stuttgart sah, handelte es sich um Stadtteile, zu denen sie zum Zeitpunkt des Traumes noch keinen Bezug hatte; inzwischen besitzt sie aber dort eine Eigentumswohnung bzw. ist dort das elterliche Haus ihres Ehemannes, den sie erst nach der Traumserie kennen gelernt hat.

3.

Nur in einem Traum der Serie tauchen ausländische Soldaten auf. Diese werden gesehen von Stuttgart-Ost aus, mit Blick auf die neue Neckarbrücke unterhalb des Kappelbergtunnels. Die Panzer kamen aus dem Tunnel und rollten in die Stadt, in die auch (vor ihnen) flüchtende Menschen mit ihren Autos hineindrängten und die Straßen blockierten – worauf die Panzer aber keine Rücksicht nahmen. Dieser Traum hat sie am meisten belastet. Er muss, zumindest in einem entscheidenden Element, als präkognitiv angesehen werden, weil der Tunnel, aus dem die Panzer kamen, zum Zeitpunkt des Traumes noch nicht gebaut worden war. Lediglich die Bundesstrasse 29, die später dann durch den Tunnel geführt wurde, war teilweise schon asugebaut, weswegen die Träumerin lange Zeit sehr beunruhigt war, dass nach Abschluß der Arbeiten (volle Inbetriebnahme des Tunnels war 1994) „es jetzt passieren könnte“.

4.

Es gibt in weiteren Träumen teilweise Unstimmigkeiten. In einem Traum sah sie sich mit einer Freundin auf einem Bahnhof im Remstal und die Freundin fragte sie, ob sie auch schon gehört habe, dass alle Ausländer Deutschland verlassen müssten. In diesem Traum sah sie außerdem (aber nicht in der Handlung beteiligt) Ihre Eltern in sehr gealterter Erscheinung, also nicht so, wie sie zur Zeit des Traumes lebten. Da die Eltern inzwischen beide verstorben sind, interpretierte (!) sie die „alten Traumeltern“ als einen Hinweis des damaligen Traumbewusstseins darauf, dass das Gespräch mit der Freundin in einer fernen Zukunft liegen würde (von ca. 1985 aus gesehen).

5.

In einem anderen Traum sah sie den Tod ihrer Mutter (mit einem Traumelement, das sich bewahrheitet hat), gleichzeitig waren Krankenautos und Polizei unterwegs (sonst kaum Verkehr), weil immer wieder Menschen aus unerklärten Gründen zusammenbrachen. Auch hier denkt sie, dass es sich um den Versuch ihres „Unbewussten“ handelte, das künftige Geschehen zu datieren, nämlich auf die Zeit nach dem Tod der Mutter (die 2008 gestorben ist).

6.

Ein weiterer Traum mit einer Unstimmigkeit zeigte ihr ein Gespräch mit einem Freund, der inzwischen ebenfalls verstorben ist. Sie trifft ihn auf der Straße, wo auch viele Flüchtlinge sind. Der Freund zeigt ihr ganz glücklich seinen „Parka“, der zwar nicht sehr warm ist, aber der ihm in dieser Situation (es ist wieder die kalte Jahreszeit) sehr von Nutzen sei - andere wären froh, wenn sie so einen hätten. In dieser Szene, wie auch in der vorgehenden mit den zusammenbrechenden Menschen, ist auffällig, dass es fast keinen Individualverkehr mehr gibt, es fahren nur noch „offizielle Fahrzeuge“ (Polizei, Krankenwagen, Lastwagen) oder aber Kleintransporter mit flüchtenden Familien, teilweise offen und die Menschen aufsitzend, immer mit viel Gepäck und Hausrat beladen.

BEURTEILUNG (GL)

Es handelt sich auf den ersten Blick um eine Traumserie, die ganz offensichtlich durch die Beschäftigung mit dem Thema „Prophezeiungen“ angestoßen worden war. Es mögen Elemente von „Verarbeitung“ enthalten sein – wobei die Verarbeitung aber ganz und gar nicht gelungen ist, denn die Träume wurden als verstörend und belastend empfunden. Aufgrund der Tatsache, dass die Lehrerin auch sonst oft „Wahrträume“ hat und sehr feinfühlig ist (Wasseradern, Elektrosmog etc.) schließt sie nicht aus, hält es sogar für wahrscheinlich, dass die Träume präkognitiv sind. Ein Motiv war ganz sicher präkognitiv: nämlich der Tunnel aus dem die Panzer herausrollen. Ähnlich verhält es sich auch mit den Straßenzügen, deren späteren persönlichen Bezug zu ihr sie praktisch vorhergesehen hat. Man könnte nun argumentieren, der Tunnelbau zwar sei präkognitiv, aber die Panzer seien „hinzuphantasiert“, doch hielte ich persönlich eine solche Argumentation für spitzfindig. Der obige Bericht ist ihre gegenwärtige Erinnerung (via Telefonat mitgeteilt) und wurde von mir zusammengefasst. Sie hat mir noch einen zweiten Traum von 1987 erzählt, in dem sie Gelder „von einer Bank zur anderen verschiebt“, um ihr Geld zu retten. Eine solche Situation fühlt sie jetzt für sich nahen. In diesem Traum tritt nach der „Finanzkrise“ ein Diktator auf. Die Menschen sind verängstigt, müssen sich fügen, können sich nicht mehr frei äußern, etwa eine Situation wie in der früheren DDR. Da der Traum sehr symbolisch ist, gehe ich nicht weiter auf ihn ein.

INTERPRETATION in Bezug auf andere Schauungen (GL)

Da eine zeitliche Ordnung innerhalb der Traumserie nicht herstellbar ist, können der zivile Notstand und die Zerstörungen an den Häusern sowohl VOR einem Krieg wie auch NACH einem Krieg liegen. Nach dem inneren Gefühl der Lehrerin fällt die Situation aber eher in eine Zeit VOR einem Krieg: die vielen fremden Leute in der Stadt wurden als Flüchtlinge empfunden, die vor einer drohenden Gefahr geflohen sind. Ein mit großer Wahrscheinlichkeit präkognitives Element (und eigentlich die zentrale verwertbare Aussage dieses Traumes) ist die Anwesenheit ausländischer, feindlicher Kampftruppen im Raum Stuttgart.

DANK (GL)

Wegen eines eigenen Traumes (hier bereits mitgeteilt) mit vergleichbarem Inhalt habe ich den Kontakt zu der Lehrerin gesucht, von deren Wahrträume mir ein gemeinsamer Bekannter berichtet hatte. Ich danke ihr hiermit für die Bereitschaft, dass sie mir alles erzählt hat und eine Zusammenfassung hier veröffentlicht werden darf.


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